12 Punkte

zum Nachdenken über die Qualität von Vorbereitungskursen zur Heilpraktikerprüfung-Psychotherapie

Mit diesen Denkanstößen möchte ich niemanden in ein schlechtes Licht rücken, sondern Ihnen eine Orientierung an die Hand geben, damit Sie nicht Federn oder Geld lassen. Ich zeige nur allgemeine Überlegungen, die Sie sich besser vor Buchung eines Kurses machen sollten, auch weitverbreitete Tricks kommen zur Sprache. Möglicherweise werden Sie sich der inneren Logik dieser Betrachtungen nicht verschließen. Sie werden am Ende eine besonders gemeine Strategie aus dem Psycho-Markt kennenlernen. Also lesen Sie den Text einfach bis zum Ende, auch wenn er lang ist. Sie könnten viel Geld sparen.

1. Kompetenz des Anbieters

Thema der Heilpraktiker-Überprüfung-Psychotherapie ist die "schulmedizinische" Psychiatrie. Außerdem wird ein Überblick verlangt über verschiedene wissenschaftlich anerkannte Therapiemethoden, außerdem einige Rechtskenntnisse. Die Prüfungen werden immer professioneller. Vor allem die mündlichen Prüfungen haben deutlich angezogen. Nur wenn der Dozent oder die Dozentin diese Dinge von Grund auf gelernt und gelebt hat, wird er oder sie auf Ihre Fragen kompetent antworten können. Viele Krankheitsbilder in der Psychiatrie sehen auf den ersten Blick sehr ähnlich aus, wenn man sie nur in der Lektüre betrachtet. Man muss Menschen mit diesen Diagnosen gekannt und erlebt haben, und zwar viele, wenn man auf Fragen differenziert antworten will. So zu antworten, dass der Frager den Zusammenhang wirklich versteht, das verlangt nicht nur angelesenes, sondern erlebtes Wissen. Das kann man nur, wenn man psychiatrisch kranke Menschen hautnah erfahren hat, und zwar viele. Was manche nicht wissen: dies trifft das auf die meisten psychotherapeutisch Tätigen gar nicht zu. In vielen Therapieausbildungen erfährt man wenig über Psychiatrie, sondern man erfährt und erlebt etwas über die Therapiemethode - das ist etwas anderes! In vielen Heilpraktikerschulen gibt es nur Selbsterfahrung der Teilnehmer untereinander, das kann erlebtes psychiatrisches Wissen nicht ersetzen. Die meisten Therapeuten arbeiten ganz anders als Psychiater und bekommen in ihrer Praxis wenig Überblick über psychiatrische Diagnosen. Eine Therapieausbildung alleine ist meiner Meinung nach keine hinreichende Qualifikation für die Heilpraktiker-Vorbereitung, auch dann nicht, wenn der Dozent ein guter Therapeut ist und die Heilpraktiker-Prüfung selbst abgelegt hat.

Fragen Sie nach der Vorbildung des Dozenten und nach seinem Berufsweg. Hören Sie genau hin, ob er bei manchen Antworten "eiert". Geben Sie sich nicht mit Andeutungen zufrieden!

2. Was nützen "Original-Prüfungsfragen" wirklich?

Mancher Anbieter renommiert mit einer hohen Zahl von "Original-Prüfungsfragen" und Ähnlichem. Oft handelt es sich vor allem bei den älteren Fragebögen um Gedächtnisprotokolle, oder um schnelle Notizen, die gemacht wurden, als Leute ihre Prüfungsfragen im Gesundheitsamt nach der Prüfung eingesehen haben. Zweifel an der "Originalität" sind häufig angebracht. Außerdem erarbeitet man heute die Fragebögen kreativ für jede Prüfung neu. Wiederholungen oder schlichtes Abschreiben aus den Fragensammlungen für Ärzte kommt kaum noch vor. Die neuen professionell gemachten Prüfungsbögen sind anders. Auswendiglernen reicht garantiert nicht. Man muss wirklich Bescheid wissen um damit klarzukommen.

Gute Heilpraktikerfragen zum Lernen gibt es heute wie Sand am Meer. Die neuen Prüfungsbögen bekommt man z.B. gegen eine geringe Gebühr bei den Gesundheitsämtern. Die Verlage haben den Markt auch entdeckt und bieten sehr gute Bücher mit den modernen Prüfungsfragen, auch Online-Apps. Daher gilt:

Lassen Sie sich keinen Sand in die Augen streuen! Lernen mit Fragebögen ist sinnvoll und wichtig, betrachten Sie aber alle Fragensammlungen nur als Stoff zum Üben, nicht als Sicherheitsgarantie für die Prüfung! Die Aufgaben in Ihrer Prüfung lösen Sie nicht mit auswendig Gelerntem sondern mit Wissen, Witz und Verstand! Heute müssen Sie bei den schriftlichen Prüfungen sehr flexibel sein. Oft geht es nur um Bedeutungsnuancen. Auch die mündlichen Prüfer wechseln heute öfter. Hier kommt es auf gründliches Wissen und kommunikative Kompetenz an.

3. Versteckte Zusatzkosten

Gerade die Fragebögen sind für manchen Anbieter eine heimliche Quelle für Zuzahlungen, die man am Kursbeginn noch nicht absehen kann. Wenn Sie im Kurs sind und sich auf eine schriftliche Multiple-Choice-Prüfung vorbereiten, werden Sie das Bedürfnis verspüren, mit Fragebögen zu arbeiten. Bekommen Sie im Kurs lediglich ein paar Schnupperbögen und sehen die meisten Fragen nur in - extra zu vergütenden - Prüfungssimulationen, dann zahlen Sie am Ende wesentlich mehr, als der Preis für den Kurs ursprünglich war. Letztendlich verkauft man Ihnen die einzelnen Fragebögen für teures Geld.

Manche Anbieter haben für schriftliche Prüfungssimulationen gestaffelte Zahlungssysteme. Das läuft dann z.B. so: "Bei null Fehlern zahlen sie nix, bis 2 Fehler ein bisschen, bis 4 etwas mehr, ab 5 wird es noch teurer, und ab 7 Fehlern wird es dann richtig teuer." Leistung soll sich lohnen, oder? Der Trick dahinter: Null oder zwei Fehler haben Sie zu Anfang selten, meist sind es sehr viel mehr. Dann kriegen Sie einen Schreck und sind bereit, weitere Prüfungssimulationen zu absolvieren. Schließlich wollen Sie ja die Prüfung bestehen! So kommt es zum "Roulette-Effekt": Je mehr Sie zahlen, desto öfter setzen Sie!

Original-Prüfungsfragen kann man heute, wie gesagt, an vielen Stellen bekommen. Außerdem sind die Prüfungsdesigner heute richtig kreativ und denken sich immer was Neues aus. Prüfungssimulationen können dann gut sein, wenn es sich um neue Fragen handelt, die sich durch korrektes Design auszeichnen und die Punkte ansteuern, die erfahrungsgemäß Klippen bei der Prüfung sind. Solche Fragebögen werden Sie aber nicht so häufig finden.

Ein anderer Trick: Findet der Kurs in großen Gruppen oberflächlich im Schnell-Schnell-Stil statt, so dass viele nicht mitkommen? Kein Problem, man bietet Ihnen teure "Nachhilfe-Sitzungen" an. Manche spinnen ein richtiges Netz von Prüfungssimulationen, Förderkursen etc. Es gibt auch welche, die z.B. für die Heilpraktiker-Kurse Kredit anbieten, wenn man sich für das anschließende teure Therapieseminar verplichtet.

Für den Teilnehmer sieht das am Anfang professionell und sicher aus, er fühlt sich im Netz aufgefangen. In Wirklichkeit wird er eingefangen wie im Spinnennetz! Manche Leute empfehlen solche Anbieter hinterher auch noch, weil sie nicht wissen, dass es viel einfacher geht - und vor allem viel günstiger!

Der wirkliche Preis eines Kurses setzt sich zusammen aus dem "offiziellen" Preis, den der Anbieter in seinen Werbematerialien nennt, und den versteckten Zusatzkosten. Fragen Sie detailliert nach und tappen Sie nicht in die Kostenfalle! Glauben Sie nicht alle Angaben über die Zahl notwendiger Zusatzangebote, meistens brauchen Sie deulich mehr als angegeben!

4. Kaffeefahrt-Marketing im Nebel

Gibt der Anbieter auf dem Informationsabenden exakte Informationen oder versucht er, Sie mit Andeutungen, gestreuten Gerüchten, schöner Musik, schönen Worten und Happy-Atmosphäre einzulullen?

Manche Anbieter behaupten auf dem Informationsabend, es gäbe Möglichkeiten, die Wartezeiten zur Prüfung zu verkürzen. Man hätte auch gute Kontakte zu Rechtsanwälten etc. Die Gesundheitsämter haben ein finanzielles Interesse daran, die Leute möglichst schnell in möglichst kurzer Zeit zur Prüfung zu bringen. Daher wurden die Wartezeiten heute sehr stark verkürzt.

Gerüchte streuen: der Anbieter lässt durchblicken, er kenne die Prüfungsfragen im Voraus. Keine klaren Aussagen, nur Andeutungen. Andere Teilnehmer, die davon beeindruckt sind, arbeiten in seinem Sinne und verstärken diesen Eindruck. Ab und an streut der Anbieter dann plötzlich Prüfungsfragen ein. Wenn Sie konkret nachfragen, ob es sich um Aufgaben aus der nächsten Prüfung handelt, dann ernten Sie nur eine hoch gezogene Augenbraue oder ein geheimnisvolles Lächeln. Wüsste der Anbieter wirklich was und plauderte es aus, bekäme er richtig Ärger. Daher werden Sie außer einem stillen Lächeln wenig Antworten bekommen.

Eine beliebte Methode ist auch, Ihnen zu erzählen, nach der Heilpraktikerprüfung stünden Ihnen alle Türen offen. Offen stehen sie, aber einrennen müssen Sie die Türen selber! Und: Der Stoff, der für die Heilpraktiker-Überprüfung reicht, genügt für eine therapeutische Tätigkeit definitiv nicht! Lassen Sie sich das von niemandem vormachen! Sie müssen in der Praxis schon etwas mehr haben, z.B. eine Therapieausbildung, oder wenigstens eine gewisse Erfahrung in der Beratung von Menschen.

Weit verbreiteter Werbe-Trick: Viele Anbieter tun so, als hätten sie ein neues sensationelles psychotherapeutisches Verfahren gerade erst erfunden. Zum Beispiel gibt es seit vielen Jahren einen Trend, psychotherapeutische Techniken zu integrieren. Die Verhaltenstherapie integriert heute die Gesprächstherapie, die Tiefenpsychologie, Elemente der Hypnotherapie, des Zen-Buddhismus und sogar der Psychoanalyse. Tiefenpsychologie integriert Verhaltenstherapie, ebenfalls hypnotherapeutische Methoden, Gesprächstherapie, philosophische Ansätze und vieles mehr. Manche Therapeuten, und auch renommierte Psychiater, tun so als hätten sie integrative Therapieverfahren gerade erst erfunden! Nicht selten wird die Unkenntnis der Leute schamlos ausgenutzt. Manchmal wird vorsichtshalber gar nicht explizit behauptet, dass man so eine Therapie erfunden habe, aber die gesamte Präsentation und Werbung ist geeignet, im Leser oder Zuhörer diesen Eindruck wachsen zu lassen. Immer wieder kopierter, uralter Trick! Lassen Sie sich nicht von dem Schein-Genie blenden! Suchen Sie lieber Institute auf, die auf solche Methoden verzichten können.

Generell gilt: Geben Sie sich nicht mit Andeutungen zufrieden! Dort, wo der Anbieter ungenau ist, wird es interessant. Bohren Sie nach und prüfen Sie jedes Versprechen des Anbieters auf seinen Wirklichkeitsgehalt! Kaufen Sie nicht alles ab und lassen Sie sich nicht einlullen wie auf der Kaffeefahrt!  Glauben Sie keinen Gerüchten! Lassen Sie sich zu nichts manipulieren, erst recht nicht zu einer Unterschrift!

5. Direkter Draht zum Gesundheitsamt?

Zum Kaffefahrt-Stil gehört, dass der Anbieter auf bestimmte Positionen in Heilpraktiker-Verbänden oder auf Kontakte zum prüfenden Gesundheitsamt oder auch zur Jobagentur hinweist oder solche in Andeutungen durchblicken lässt. Menschen wollen sich gern in Sicherheit wiegen, auch, wenn sie trügerisch ist. Manche Anbieter nutzen das aus. Sitzen Sie aber in der Prüfung vor einem Fragebogen, haben Sie von allen Verbänden dieser Welt und von den Beziehungen des Anbieters rein gar nichts. Auch in der mündlichen Prüfung hilft es Ihnen nicht weiter. Die mündlichen Prüfungen sind quasi öffentlich, und wenn es da Unregelmäßigkeiten gäbe, käme das leicht raus. Die Kontakte zur Jobagentur entpuppen sich oft genug als Augenwischerei. Wie viele Jobcenter gibt es allein in Berlin? Wer da zu allen Kontakte pflegen wollte hätte kaum noch Zeit für seine sonstigen Aufgaben.

Der letzte Schrei ist übrigens folgender: Inzwischen sind die überprüfenden Gesundheitsämter besser organisiert und die Wartezeiten sind deutlich kürzer als früher. Es gibt tatsächlich Anbieter, die behaupten, sie hätten - natürlich nur für die Teilnehmer ihrer Kurse - mit juristischen Tricks die kürzere Wartezeit ermöglicht. Sie schreiben sich die Verbesserungen der Verwaltung also im Prinzip selber zu, als Verkaufsargument. Oft werden dann halb verstandene aber beeindruckend klingende juristische Fachwörter in den Raum gestreut. Wenn es ums Verkaufen geht, wird für manchen Anbieter die Realität nebensächlich.

Ein weiterer Suggestivtrick besteht in Formulierungen wie: "Zertifikat zur Vorlage beim Gesundheitsamt". Das Gesundheitsamt interessiert sich nicht die Bohne für solche Zertifikate. Zwar wollen manche Prüfer von Ihnen wissen, welche Therapieausbildung Sie haben und wie Sie im konkreten Fall arbeiten werden. Aber ob sie die Prüfungsvorbereitung bei Meier oder Müller gemacht haben und was für ein Zertifikat man Ihnen dort ausstellte, das ist dem Gesundheitsamt wirklich schnurz-egal. Denen kommt es darauf an, dass Sie in der Prüfung überzeugen. Bei Anbietern, die solche Suggestivformulierungen verwenden, sollte Ihnen eine dicke rote Warnlampe aufgehen. Manche binden Ihnen sogar den Bären auf, die Prüfungsämter seien von dieser oder jener Heilpraktikerschule so überzeugt, dass man Sie im Grunde gar nicht mehr prüfen würde, wenn Sie von dieser Schule kämen. Dreister geht es nicht mehr!

 Glauben Sie nicht allen Versprechungen und lassen Sie sich nicht mit schönen Behauptungen den Kopf vernebeln! Prüfen Sie lieber die Fakten!

6. Was bringen Kompakt- und Wochenendseminare?

Solche Seminare verlässt man gut gelaunt und mit dem rauschartigen Gefühl, sehr viel gelernt zu haben. Das Problem ist nur das Behalten des Wissens. Nach meiner Erfahrung sind für den Stoff der Heilpraktiker-Psychotherapie-Prüfung längere Seminare mit Pausen zum "Setzen" des Gelernten viel besser geeignet. Mir sind Fälle bekannt, wo ganze Wochenendseminare komplett gut gelaunt durch die Prüfung gerasselt sind.

Auch Kreativtechniken helfen weniger, als ihre Anpreiser weismachen, obwohl sie das Lernen erleichtern können. Das Problem ist auch hier das Behalten des Gelernten. Kreativtechniken sind meiner Einschätzung nach eindeutig kein Garant für schnelles Aufnehmen und dauerhaftes Behalten. Das Gehirn ist kein Nürnberger Trichter; man braucht Zeit, die einzelnen Elemente des Lernstoffs im Langzeitgedächtnis zu speichern. Bei diesem Prozess spielt vor allem das verstehende Durchdringen eine Rolle. Das Gehirn knüpft Netze von Informationen, aber das geht nicht so schnell. Besser man durchdringt den Stoff, dann braucht man ihn nicht mit Kreativmethoden auswendig zu lernen. Die beste Kreativmethode ist das Gespräch mit anderen über den Lernstoff.

Nehmen Sie das Lernen nicht zu ernst, aber auch nicht zu leicht!

7. Was bringen Fernkurse und Skriptsysteme?

Richtige Fernkurse, bei denen eine Kontrolle durch einen Fernlehrer erfolgt, brauchen in Deutschland eine Zulassung durch die staatliche Zentralstelle für den Fernunterricht (ZFU). Das ist eine Art Verbraucherschutzbehörde, welche die Kurse überprüft und auf einen maximalen Effekt für die Teilnehmer hinwirkt. Berufliche Fernkurse sind definiert durch drei Komponenten:
  • Kontakt mit einem Fernlehrer
  • eine regelmäßige Leistungsüberprüfung
  • Arbeit mit einem von der ZFU überprüften Lehrmaterial, das nach wissenschaftlich-pädagogischen Richtlinien erstellt wurde.
Viele Anbieter sparen sich das Kleingeld für ZFU-Zulassung, Fernlehrer und kostspielig erstellte Lehrmaterialien. Sie versenden statt dessen zusammengestöpselte Skriptsysteme, DVDs etc. Solche Materialien sind kein Fernstudium in Sinne des Gesetzes und bedürfen keiner Zulassung und damit auch keiner Überprüfung. Sie entsprechend eher dem Lehrbuch oder dem Hörbuch. Man nennt sie einfach "Fernstudium" - merkt doch keiner!

Die sind oft grottenteuer! Die meisten sind wahrscheinlich wenig sinnvoll. Denn: Beim Durcharbeiten des Stoffs schießen einem tausend Fragen durch den Kopf, die man in einem schriftlichen Text oder in einem Video nicht beantwortet bekommt. Man sollte seine Fragen aber möglichst gleich beantwortet bekommen, denn sonst schmoren sie im Hirn und blockieren den weiteren Lernprozess.

Lernen braucht Anwesenheit! Nach meiner Erfahrung ist jeder Kurs mit Anwesenheit einem Fernstudium klar überlegen, da helfen auch keine Chat-Foren im Internet und auch keine "Präsenzphasen". Das größte Problem bei Fernstudien allgemein ist die Zahl der Studienabbrecher.

Sparen Sie sich überteuertes Lehrmaterial! Gehen Sie in den nächsten Fachbuchladen und schauen nach einem guten Psychiatrie-Lehrbuch für Heilpraktiker, das ist viel billiger und oft auch viel besser. Empfehlungen bekommen Sie z.B. im Forum.

8. Was nützt ein toll eingerichtetes Institut mit Multimedia-Technik?

Natürlich ist es angenehm sich in einer schönen Lounge vor einer Bildwand einen Film reinzuziehen. Die Frage ist nur: Was für einen Film? Sind es Lehrfilme, die einem das Verständnis psychiatrischer Patienten wirklich erleichtern? Geht es um psychische Erkrankungen, die in der Prüfung vorkommen? Sieht man Patienten? Oder handelt es sich eher um verkappte Werbefilme für weitere Veranstaltungen des jeweiligen Instituts? So genannte psychosomatische Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Neurodermitis oder Asthma kommen in der Heilpraktiker-Psychotherapie-Prüfung selten vor, eignen sich aber z.B. hervorragend, um Teilnehmer mit Videos für zusätzliche Therapie-Sitzungen zu werben, denn in unserer Gesellschaft hat doch jeder ein Zipperlein.

Außerdem sind extravagante Räume und technische Gimmicks teuer. Denken Sie an die versteckten Kosten! Die merken Sie erst, wenn Sie in der Einrichtung drin sind, bald wird man Sie zu Zusatzkursen nötigen. Schließlich muss ja jemand die schöne Einrichtung bezahlen, und das sind Sie!

Nach meiner Einschätzung sind örtliche und technische Gegebenheiten sekundär. Am besten lernt man wahrscheinlich von Person zu Person in einer positiven und freundlichen Atmosphäre bei einem Dozenten, mit dem man sich identifiziert.

Lassen Sie sich nicht mit teurer Einrichtung bluffen! Diese Einrichtung zahlen letztlich Sie. Die Kostenfalle schnappt oft dann zu, wenn Sie schon mit dem Kurs angefangen haben und ein Wechsel des Anbieters sehr aufwändig wäre. Denken Sie daran: Finanzieller Erfolg verdankt sich nicht in jedem Fall der Seriosität!

9. Kommt nach dem Kurs ein Nachschlag?

Gibt der Anbieter Ihnen das Gefühl, irgendwie nicht gut genug zu sein, nicht ok, nicht "gesund", nicht leistungsfähig, außer, Sie besuchen seine Therapiekurse? Mit Blick auf die Prüfung sind manche Teilnehmer in einem leichten Stress und damit in einer Situation, in der man sensibel und offen ist für versteckte Botschaften. Behandelt der Anbieter Sie von gleich zu gleich? "Thront" er, symbolisch oder sogar real auf einem Super-Sessel, während Sie auf dem mickrigen Stuhl an der Wand kleben? Das könnte eine Methode sein, Ihre psychischen Abwehrkräfte zu schwächen. Oder gibt es ein "Love-Bombing" - ein Überschütten mit Freundlichkeiten? Gibt es Aussagen, die im Grunde unbestimmt sind, ja sogar widersprüchlich, aber trotzdem auf eine seltsame Weise total überzeugend wirken? Das sind klassische Sektentechniken, und es gibt Heilpraktiker-Anbieter, die versteckt für Sekten werben.

Informieren Sie sich vor Beginn über den Hintergrund des Anbieters, beobachten Sie auf den Informationsabenden genau, fragen Sie detailliert nach und lassen Sie sich Ihre Logik nicht nehmen!

10. Müssen Sie vor dem Anbieter Männchen machen?

Es gibt Anbieter, die z.B. am Beginn des Infoabends als erstes eine Liste herumreichen, wo Sie Ihren Namen und Ihre Adresse aufschreiben sollen, ohne, dass Sie schon viel vom Anbieter erfahren haben. Das dient natürlich Marketingzwecken. Sie werden später angeschrieben oder sogar angerufen, man versucht, Sie zu überreden, wenn Sie noch nicht unterschrieben haben. So etwas lernt man in manchem Verkaufsseminar. Seriös ist es nicht.

Psychologisch hat das einen bestimmten Effekt. Wenn Sie auf den Informationsabend kommen, sind Sie die Prüfer. Sie prüfen den Anbieter, ob er vertrauenswürdig ist. Manche Anbieter drehen den Spieß um. Dafür gibt es eine Zahl hübscher Spielchen, z.B. die Preisgabe der Adresse. Jetzt haben Sie etwas von sich hergegeben, haben sich offenbart, haben dem Anbieter die Möglichkeit gegeben, ein bisschen in Ihre Privatsphäre einzudringen. Und das, obwohl er noch gar nichts für Sie getan hat. Sie rutschen von der Erwachsenen-Position ein winziges Stückchen ins Kindheits-Ich. Wieder geht ein Bröckchen Souveränität dahin, und je weniger Sie davon haben, desto eher sind Sie manipulierbar. Die vorhin erwähnte Sitz-Anordnung gehört auch zu diesen Spielchen. Erstaunlich: Die Leute machen einfach mit!

Es gibt in Deutschland ein unseliges Gefühl für Professionalität. Viele von uns empfinden es spontan als professionell, wenn man sie dezent schikaniert, sie ein klein wenig unhöflich und als Nummer behandelt, distanziert, "amtlich". Wer sich Mühe gibt und auch noch freundlich ist, gilt als unprofessionell. Die Leute denken: "Der muss es ja nötig haben!" Kommt dagegen vom Anbieter die subtile Botschaft: "Mal sehen, ob wir so einen wie Sie überhaupt für unsere Kurse gebrauchen können!", dann rennen die Leute hin wie die Lemminge.

Spielen Sie nicht alle Spiele ungeprüft mit!

11. Werd ich jetzt gleich berühmt und reich?

Manche Anbieter machen einem illusorische Hoffnungen über die Leichtigkeit, mit der man als Heilpraktiker reich wird. Der Erfolg komme angeblich mit speziellen Seminaren zur Praxisgründung, die zusätzlich angeboten werden. Das sollte man genau prüfen. In Wirklichkeit finden Sie meist anderswo ähnliche Seminare, nur viel billiger. Wenn Sie die Heilpraktiker-Überprüfung bestanden haben kommt auf Sie meistens eine längere Zeit der Arbeit und des persönlichen Werbens um Klienten zu. Das sagt man Ihnen vorher nicht, statt dessen versucht man Ihnen ein paar Happy-Seminare auf's Auge zu drücken mit Infos aus der Standard-Marketing-Kiste gewürzt mit ein paar Steuer-Tipps. Manche werben auch mit tollen Netzwerken, die Ihnen Klienten verschaffen sollen. Leider sind in diesen Netzwerken meist auch nur Heilpraktiker, die an Klienten kommen wollen, so wie Sie.

Denken Sie daran: Ihre Klienten kommen in erster Linie zu Ihnen persönlich, erst in zweiter Linie zu einer Methode! Sie müssen sich weiterentwickeln, und das geht nicht in ein paar Wochenenden.

Lassen Sie sich nicht an Hoffnungen und Illusionen wie an der Leine herumführen!

12. Die Doctor-Knock-Methode

Dr. Knock ist ein Arzt, der seinen Patienten Krankheiten einredet, die er dann für teures Geld "heilt". Die Methode ist so alt wie die Menschheit und sehr lukrativ. Sie wird auch in Heilpraktiker-Psycho-Seminaren angewendet, oft ausgesprochen subtil. Es geht darum, den Leuten unbemerkt Angst zu machen, die man anschließend kostenpflichtig beseitigt. Man erzählt z.B. wie schwierig die Prüfung wäre. Manchmal reicht es schon, wenn man genüsslich Prüfungsdetails zum Besten gibt und dazu ein paar Fremdwörter fallen lässt. Oft folgt dann die Andeutung, dass die Zuhörer ja "hier in sicheren Händen" seien, dass man seine Kontakte habe, um die Prüfer zur Vernunft zu bringen, notfalls habe man auch gute Beziehungen zu Rechtsanwälten etc. Herausgestellt wird dann, dass es diese Hilfen nur "hier" in dieser Heilpraktikerschule gebe. Hier sei man in der Super-Heilpraktikerschule, die kennt alle Tricks, und dort wird man`s schon richten, wird Sie an die Hand nehmen und zum Erfolg führen, alles für Sie erledigen, Sie brauchen sich nur noch hinzusetzen und die Fahrt zu genießen.

Die Wahrheit ist: Die Anträge für die Prüfung zu stellen ist Pipifax, den ein durchschnittlich intelligenter Mensch leicht bewältigt. Aus finanziellen Gründen lassen die Gesundheitsämter Sie nicht mehr lange warten, so wie früher. Und sowohl in der schriftlichen und in der mündlichen Prüfung steht keiner daneben und hält Händchen, sondern da gibt es nur eins, was Sie wirklich sicher macht: das ist Ihr eigenes lebendiges und fundiertes Wissen. Denn am Ende machen Sie die Prüfung, und nicht der Übervater oder die Über-Mutter.

Die mündliche Prüfung ist kein Pappenstiel, aber die meisten Leute haben in ihrem Berufsleben schwierigere Prüfungen absolviert und deutlich unangenehmere Situationen durchgestanden. Glauben Sie mir, diese mündliche Prüfung ist ein interessantes Fachgespräch mit sachlichen, doch freundlichen und überwiegend vernünftigen Leuten, die einem auch mal helfen, wenn es nicht mehr weitergeht. Sie werden sich wundern, wie schnell sie vorüber ist, und was sie von all Ihrem Wissen gar nicht anbringen konnten in der kurzen Zeit.

Lassen Sie sich nicht zum Kind machen!

Lernen Sie einfach solide und fachlich korrekt, dann klappt's ganz ohne Klimbim und Schickimicki! Und vor allem viel preisgünstiger.